| Geschichte(n)
Weihnachten und ich
Wenn ich in Spanien zur Welt gekommen wäre, hätte man mich möglicherweise
"Jesus" getauft, denn mein Geburtstag ist der 24.12.1951. Aber
ich bin in jener Gegend geboren, wo alte weise Frauen Erkenntnisse wie
die folgende zum Besten geben: "Winter kann ja schön sein -
muss aber nicht!" So erhielt ich außer dem Traditionsvornamen
der Pohlmanns, nämlich Bernhard, noch den Namen der Gottesmutter
Maria und als Zugabe noch den Namen des Taufpaten Johannes. Dass ich später
meinen Vornamen auf Beppo änderte, mag mit dazu beigetragen haben,
dass ich nicht mit dem Namen Bernhard Maria Johannes Pohlmann ein bedeutender
Schriftsteller oder arbeitsloser Deutschlehrer geworden bin.
Obwohl ich zeitlebens dafür bedauert wurde, an gerade dem Tag Geburtstag
zu haben, - "Du wurdest doch bestimmt um Geschenke betrogen!"
- habe ich nie Probleme damit gehabt, eher im Gegenteil. Als Kind bekam
ich morgens meine Geburtstagsgeschenke, meistens war ein Buch dabei, was
mich bis nachmittags ruhig stellte. Weihnachtsgeschenke waren dann Socken
oder Pullunder (falls noch jemand weiß, was das ist ...). Geburtstagesfeiern
gab's für mich eigentlich nie, was mir Erfahrungen wie "blöde
Klassenkameraden einladen müssen" oder "Kerzen ausblasen
bis der Wachs den Schokoüberzug ruiniert" ersparte. Außerdem
wurde mein Geburtstag nie vergessen, was bei anderen schon mal vorkam.
Mit einem so prominenten Geburtstag gesegnet bin ich allerdings bis heute
kaum in der Lage mir andere Geburtstage zu merken. (Brillante Ausrede)
Später habe ich eine Zeit lang meinen Geburtstag doch termingerecht
gefeiert. Das hatte entscheidende Vorteile: Meine Freunde und Bekannte
konnten sich aus nervigen heimischen Weihnachtsfeiern mit dem Satz "Wir
müssen noch zu Beppo" verabschieden und ich brauchte zu meiner
Feier nur Getränke aufbieten, weil alle schon weihnachtlich vollgefressen
bei mir ankamen.
Bei einer derartig innigen Beziehung zwischen mir und dem Christfest verwundert
es nicht, dass ich in meinem Leben bereits vier Weihnachtslieder geschrieben
habe, darunter sogar ein ernsthaftes. Bereits mein allererstes Lied behandelte
in 13 Strophen den Weihnachtsabend in einer Familie, der in allgemeiner
Trunkenheit endete. Das Lied wurde nur einmal aufgeführt, passenderweise
zur Weihnachtsfeier des Kirchenchors der Heilig-Geist-Gemeinde, in dem
ich sechzehnjährig im Bass mitwirkte.
"Weihnacht ist da" schrieb ich für die Gebrüder Blattschuss
mit Strophen, auf die ich heute noch stolz bin wie
"Es leuchten die Augen, es strahlen die Sterne,
es strahlt ein Atomkraftwerk dort in der Ferne,
das Fernsehen strahlt Mist aus wie jedes Jahr -
Weihnacht, Weihnacht, Weihnacht ist da!"
Wir haben das Lied unabhängig von der Jahreszeit bei vielen Auftritten
gespielt und genauso halte ich es mit meinem aktuellen Weihnachtslied,
das jetzt bei 28 Grad im Schatten in Produktion ist. Ich hoffe, wir kriegen
es rechtszeitig fertig, denn wie sagten schon die alten weisen Frauen
in meiner Kindheit? "Weihnachten kommt immer so plötzlich!"
Berlin, im Sommer 2005.
© Beppo Pohlmann
|